Hilfe, mein Kind ist anders!

In meinem Alltag als Pädagogin ist es mir immer wieder begegnet, das Eltern berichteten, dass Ihr Kind „anders“ ist. Hilflos haben Sie sich bemüht auf den verschiedensten Wegen Unterstützung zu holen. Meist folgte ein Marathon an Untersuchungen, die sowohl für das Kind als auch für Eltern anstrengend und erschöpfend sind. Es ist mit dem Gefühl der Angst und der Ohnmacht geprägt. Alle Beteiligten (Kinder und Eltern) fühlen sich wie auf dem Prüfstand. Negative Gefühle wie Schuldgefühle, Traurigkeit, Stress, Wut und Angst sind ein ständiger Begleiter dieser Prozedur.

Am Ende folgt dann eine Diagnose, die nicht immer eine positive Wirkung für die Familie mit sich bringt. Diagnosen die das Kind erhält, haben nach meiner Erfahrung tatsächlich selten eine positive Wirkung auf das Leben des Kindes und wirken selten förderlich für die Entwicklung. Hat das Kind evtl. einfach nur einen Stempel (Stigma) erhalten, um dass das Kind nie gebeten hat?

Für mich stellt sich da die Frage, wer von dieser Diagnose profitiert und warum „anders“ sein so bedrohlich wirkt? Was bedeutet „anders“ sein? Heißt das, „anormal“ sein, also entspricht man nicht der Norm? Man unterscheidet sich von der Masse?

Wir sind soziale Wesen und haben das Bedürfnis dazuzugehören, wir möchten ein Teil der Gesellschaft sein und nichts ist bedrohlicher, als ausgeschlossen zu werden. Anscheinend löst einiges, dass uns fremd ist, Ängste aus.

Angst ist ein Instinkt der schützend wirken soll. Es gibt aber auch Ängste die hemmend und blockierend wirken. Diese sind deshalb wenig förderlich für die menschliche Entwicklung. Das tiefe Bedürfnis sich mit jemandem identifizieren zu können ist unheimlich erleichternd und kann erfüllend sein.

Bewusstsein schafft Abhilfe, denn es ist nicht bedrohlich, wenn Menschen anders sind. Tolerant sollte jeder Mensch so angenommen werden, wie er/sie ist. Denn jeder Mensch hat das Recht sich mit seiner Persönlichkeit so zu entfalten, wie es die jeweilige Person glücklich macht, solange Niemandem geschadet wird.

Kinder möchten gesehen, bedingungslos geliebt und so angenommen werden wie sie sind, mit ihren Stärken und ihren Schwächen.

„Anders“ sein wird für Kinder erst bedrohlich, wenn ihnen das Gefühl gegeben wird, das es so nicht richtig ist und sie mit aller Macht passend gemacht werden. Aus der Sicht des Kindes ist es genauso wie es ist richtig, denn sie kennen auch nichts anderes. Erst der Einfluss der Außenwelt verändert diese Sicht. Dabei muss berücksichtigt werden, dass nicht nur das gesprochene Wort einen Einfluss auf das Kind hat, sondern auch die nonverbalen Botschaften eine Wirkung auf das Kind haben. Kinder sind instinktiv und sensibel und spüren jede Art der Ablehnung.

Waren nicht die erfolgreichsten Menschen (Künstler und Wissenschaftler) der Vergangenheit „anders“ und haben nicht in das System gepasst und haben dadurch viel Ablehnung erfahren?

Doch haben wir es Ihnen zu verdanken, dass wir Beispielsweise von der Elektrizität, der Dicht-und Musikkunst profitieren dürfen. Ist es nicht erstrebenswert „anders“ sein zu fördern und zu unterstützen. Sollten wir nicht die Querdenker als bereichernd und als Chance für Neues betrachten?

Es wäre eine Verschwendung von Ressourcen!

Das gestaltet sich im Alltag leider etwas schwierig, da es oft Angst einflößend wirkt, nicht in das System zu passen.

Das Bildungssystem ist leider nicht darauf ausgerichtet, jedes Individuum als Bereicherung zu betrachten. Die Gruppen bzw. die Klassen sind überfüllt, der Personalschlüssel ist katastrophal. Die Bildung geschieht meist auf einem Niveau, welches auf der Basis der Gehirnforschungstechnik unfortschrittlich ist. Es gibt viele qualifizierte Pädagogen, die leider durch die Rahmenbedingungen in Ihrer pädagogischen Arbeit beschränkt werden.

Kinder bzw. Menschen haben das Bedürfnis zu lernen. Es liegt in unserer Natur und bedarf keines Zwanges. Der Säugling kommt auf die Welt und lernt von Anfang an. Es lernt sich zu drehen, zu robben, zu krabbeln, zu sprechen, zu gehen und es nimmt alle Risiken, die beim Lernen entstehen könnten, in Kauf. Unermüdlich wird gelernt und mit Freude das Erlernte ins Leben intrigiert. Lernen und Fortschritt werden als erstrebenswert empfunden und das ist natürlich.

Es wäre von Vorteil, wenn das Schulsystem Kinder auf das Leben vorbereiten würde und Kinder da abgeholt werden wo sie gerade in ihrer Entwicklung stehen. Hierarchische Schulsysteme sind nicht zeitgemäß, da es der Fortschritt nicht zulässt. Die Digitalisierung und Globalisierung eröffnet uns viele neue Möglichkeiten und diese machen es notwendig, dass das Schulsystem reformiert werden muss. Jedes Individuum kommt mit Talenten und Fähigkeiten auf diese Welt und diese müssen gefördert und entdeckt werden. So lernt das Kind sich selbst und die damit verbundenen Möglichkeiten kennen und wie es diese produktiv einsetzen kann. Damit würden uns noch mehr Möglichkeiten eröffnet werden. Kinder sollten dazu ermutigt werden eine eigene Meinung zu haben und nicht der Masse zu folgen.

Der Weg des Verständnisses ist für mich der Einzige vernünftige Weg, um dem Menschen gerecht zu werden. Menschen möchten verstanden werden und nicht verurteilt werden. Wenn sich dieser Verstanden fühlt, entwickelt der Mensch den Mut sich zu öffnen.

Um Klarheit als Beteiligte zu bekommen, könnten folgende Fragen hilfreich sein:

  • Was macht mein Kind aus?
  • Ist mein Kind glücklich?
  • Wenn es glücklich ist, warum soll etwas geändert werden?
  • Wenn es nicht glücklich ist, was muss sich ändern und was braucht mein Kind?
  • Warum wird es als „anders“ empfunden?
  • Wen stört das „anders“ sein?
  • Wem schadet das „anders“ sein?
  • Warum wirkt das Verhalten störend bzw. befremdlich?
  • Profitiert das Kind von Testungen und Diagnosen?
  • Was passiert nach einer Diagnose wie z.B. ADHS?
  • Welche anderen Therapie-Möglichkeiten gibt es? 
  • Wie ist die Zusammenarbeit mit den beteiligten Pädagogen?
  • Hat das Kind eine positive Beziehung zu den beteiligten Pädagogen?
  • Geht es gern in den Kindergarten bzw. zur Schule?

Stärken Sie sich als Eltern und sorgen Sie für sich, indem Sie sich Unterstützung holen und begleitet werden auf Ihrem Weg. Sorgen Sie für ausreichend Unterstützung, damit Sie keine Entscheidungen treffen, die emotional gefärbt sind. Angst ist kein guter Berater, also treffen Sie keine Entscheidung aus Angst. Bleiben Sie bei sich und binden Sie Menschen ein, die mit Ihrem Kind eine liebevolle Beziehung führen und beteiligen Sie eine neutrale Person, für gute Entscheidungen. Eltern bilden das stabile Fundament für Ihre Kinder und gute Pädagogen, die mit dem Kind in Beziehung treten, wirken wie eine Tankstelle.

Für die Entwicklung ist es wichtig, dass Eltern als Vorbilder alles vorleben, was sie von ihren Kindern verlangen. Das bedeutet, dass es nicht produktiv ist, Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Wenn sie also bspw. möchten, dass ihr Kind mehr liest, sollten sie dies auch vorleben.

Außerdem ist es natürlich wichtig, dass die Ernährung gesund, abwechslungsreich und ausgewogen ist. So erhält der Körper ausreichend Vitalstoffe, die wichtig sind für Wachstum, für die Funktion des Gehirns und damit für die Konzentration. Zuckerhaltige Getränke und Nahrungsmittel sind kontraproduktiv.

Darüber hinaus ist es wichtig achtsam zu sein in Bezug auf den Medienkonsum. Da der Konsum oft nicht verarbeitet werden kann, wirkt es überfordernd. Somit hat dieser negative Auswirkungen auf die Lebensqualität. Es können Ängste, Traumata und Unruhe ausgelöst werden, da das Gesehene Stresshormone produziert. Dies wirkt sich natürlich negativ auf die Aufnahmefähigkeit aus und belastet das Kind unbewusst. Es ist erwiesen, dass alles was wir aufnehmen eine Wirkung hat.

Wird an etwas Positives gedacht wie z.B. einen schönen Strand, werden Glückshormone freigesetzt. Wenn an ein negatives Ereignis gedacht wird, ereignet sich dies auch in unserem Körper, durch Ausschüttung von Stresshormonen. Eltern sollten Ihre Kinder schützen und aufmerksam sein, was den Konsum von Medien betrifft und aufklärend damit umgehen.

Zudem ist die Bewegung an der Luft unbedingt notwendig. Es gibt auch kein falsches Wetter, sondern nur falsche Kleidung! All unsere Zellen brauchen Sauerstoff und Bewegung. Unsere Lunge und Herz wollen trainiert werden. Bewegung sorgt nicht nur dafür, dass sich unsere Muskeln ausbilden, sondern auch für einen gesunden Knochenstoffwechsel. Der menschliche Körper ist auf Bewegung angewiesen, deshalb heißt dieser auch Bewegungsapparat. Alles was begriffen werden soll, muss getan werden. Das Wort begreifen beschreibt es, es muss greifbar gemacht werden, um es zu verstehen. Also muss in Aktion getreten werden.

„Sage es mir und ich werde es vergessen – 

zeige es mir und ich werde es behalten – 

lass´ es mich tun und ich werde es begreifen!“ 

Konfuzius

Dresi

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