Kranke Kinder, kranke Gesellschaft

Seit über 15 Jahren bin ich im pädagogischen Bereich tätig. Zuvor hatte ich auch viel mit Kindern gearbeitet, weil ich Nachhilfe gab und auch als Babysitterin gejobt habe. Mit der Zeit fiel mir auf, dass es immer mehr Kinder gab, die unter Krankheiten litten. Dieses war zu Beginn meiner pädagogischen Arbeit und in meiner eigenen Kindheit nicht so üblich. Im Laufe der Jahre hatte ich das Gefühl, dass es immer drastischer wird. Immer mehr Kinder litten unter ADS/ADHS, Zahnschmelzprobleme/Zahnfehlstellungen/Karies, Übergewicht/Essstörungen, Neurodermitis, Allergien, Kopfschmerzen/Migräne usw. Ich wollte sicherstellen, dass dies nicht nur meine individuelle Wahrnehmung ist, die sich mit der Zeit verändert hatte. So fing ich an, mich mit Kolleginnen auszutauschen die dies ebenso empfanden. Bewusst nahm ich immer mehr wahr, wie sich die Gegebenheiten in Bezug auf die Gesundheit verändert hatten. Auch Statistiken bestätigten meine Wahrnehmung bezüglich der Kindergesundheit. Es war sehr ernüchternd für mich und anhand der Zahlen wird es nur erschreckender. Umso bewusster ich mein Umfeld wahrnahm, desto mehr fiel mir auf. Meine Beobachtungen bezogen sich nicht nur auf der beruflichen Ebene, sondern auch auf die Kinder in meinem privaten Umfeld. Im Austausch mit den Eltern, die sich oft ratlos und ohnmächtig fühlten, wurde mir bewusst, dass es hier dringend Handlungsbedarf gibt. Eltern wünschen sich für Ihre Kinder nur das Beste und leiden, wenn es Ihren Lieblingen nicht gut geht. Oft wird dieses Leiden begleitet von Ängsten und Sorgen. Ich begann zu recherchieren, was in der Kindheit meiner Eltern und in meiner eigenen Kindheit anders war und was die heutige Generation unterscheidet.

Welche Unterschiede gibt es?

  • es gab sehr selten Süßigkeiten
  • wir haben viele Eintöpfe gegessen
  • Suppen und Kartoffelgericht
  • Sauerrahmbutter und Käse
  • frisches Obst und Gemüse
  • Naturjoghurt mit frischem Obst war der Nachtisch
  • natürliche Gewürze und Kräuter waren immer Teil der Nahrung
  • Sauerteigbrot aus Vollkorngetreide war das Brot der Wahl
  • fermentiertes Gemüse gehörte fast zu jeder Mahlzeit dazu
  • Nüsse und Obst waren zum Naschen da
  • einmal in der Woche Fleisch
  • ausschließlich Wasser als Durstlöscher
  • keine verarbeiteten Lebensmittel, wie Nutella, Tütensuppen, Fertigpizza usw.
  • Fastfood gab es so gut wie nie
  • Viel Bewegung / fast jeden Tag draußen zum Spielen
  • den Schulweg haben wir allein bewältigt
  • Medienkonsum ist in den letzten Jahren immens gestiegen
  • familiäre Strukturen haben sich verändert

Was sagen Statistiken dazu?

In Deutschland haben wir über 13 Millionen kranke Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Quellangaben finden Sie am Ende dieses Blogs. Folgende Krankheiten treten verstärkt bei Kinder und Jugendlichen auf:

Immunsystem und Hormonsteuerung

  • ca. 20% bzw. 2,6 Millionen Kinder leiden an Übergewicht
  • ca. 10% bzw. 1,3 Millionen leiden an einer Fettleber
  • ca. 50% bzw. 6,5 Millionen leiden an Kopfschmerzen
  • ca. 10% leiden an Asthma
  • ca. 10% bzw. 1,3 Millionen der Kinder leiden an Heuschnupfen
  • ca. 15% bzw. 2 Millionen Kinder leiden an Neurodermitis
  • die Neuerkrankungen für Diabetes Typ 2 bei Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren verfünffacht

Neurologisch

  • Ca. 50% der Kinder zeigen Verhaltensauffälligkeiten bei der Einschulung
  • der Verdacht und die bestätigte Essstörung liegt bei 25% bzw. 3 Millionen Kinder
  • ADHS liegt bei ca. 4% bzw. 500.000 Kinder
  • der festgestellte sozial-emotionale Förderbedarf steigt schnell an, in allen Bundesländern

Knochen, Wachstum und Zahngesundheit

  • Ca. 60% werden Kiefer-orthopädisch behandelt, das sind 7,8 Millionen Kinder
  • angeborene Zahnfehlstellungen liegen bei ca. 30% der Kinder bzw. 3,9 Millionen.
  • Ca. 28% der 12 Jährigen bzw. 3,5 Millionen der Kinder leiden an Zahnschmelzstörungen
  • unter Karies leiden 15% der Kinder
  • die Kurzsichtigkeit steigt schnell an
  • zahlreiche Kinder haben Wirbelsäulenprobleme (Skoliose)

Geschätzt wird, dass 80% der Kinder in einem oder mehreren Bereichen auffällig sind. Zudem wird beobachtet, dass sich die Symptome mit zunehmendem Alter verschlechtern. Demnach sind viele unserer Kinder krank und dieses spricht leider für sich.

Beobachtet man Kinder in der Schule, Kita, im Schwimmbad, im Freizeitpark und auf Spielplätzen wird deutlich, dass etwas nicht stimmen kann. Klassische Mangelerscheinungen an Haut, Haaren, Übergewicht und kaputte Zähne sind alltäglich geworden.

Wer ist in Deutschland für die Qualität unserer Lebensmittel und Ernährung zuständig?

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist verantwortlich für die Qualität der Lebensmittel und Ernährung. Es gibt also offiziell ein Ministerium, dass die Verantwortung für die Lebensmittel- und Ernährungsqualität hat. Hier stellt sich für mich die Frage, warum das Essen in Kitas und Schulen oft so minderwertig ist?! Die Investitionen in diesen Bereichen sind, nach meiner Erfahrung, dürftig. Warum gibt es ein solches Ministerium, wenn es sich nicht darum kümmert, dass das Essen in Kitas und Schulen besser wird?! Krankenhäuser sind auch ein Problem, wenn es um gesunde und gute Nahrung geht. Dort wo die Menschen darauf angewiesen sind gut versorgt zu sein, mit allen Nährstoffen, um schnell zu genesen sind in diesem Bereich ungenügend.

Denn es ist absolut klar, dass schlechtes Essen krank macht. Schon Hippokrates (460 vor Chr. geboren) hat gesagt: “Deine Nahrungsmittel seien deine Heilmittel“.

Was macht dieses Amt eigentlich? Warum kann uns die Industrie so vieles in unser Essen mischen, von dem wir nicht wissen was es ist und wie es in unserem Körper wirkt?

Was brauchen Heranwachsende?

Klar ist, dass Kinder und Jugendliche, um gesund heranzuwachsen zu können ausreichend Nährstoffe benötigt werden. Zum Beispiel aus Hülsenfrüchten, natürlichen Eier, Kräuter, Nüsse, Gemüse, Vollkorngetreide, Samen uvm. Kinder brauchen auch Bewegung für Stoffwechselprozesse, um Stress abzubauen und ein inneres Gleichgewicht zu gewährleisten. Dies ist wichtig für eine gesunde Verdauung, Knochen, Muskulatur und vieles mehr. Ebenfalls notwendig sind der soziale Austausch und die bedingungslose Liebe für uns Menschen. Ruhe und genügend Schlaf braucht der Körper und Geist, um sich selbst kennen zu lernen und zu regenerieren.

Eigenerfahrung

Im Berufsleben war ich oft schockiert darüber, was Kindern als Essen vorgesetzt wurde und wie wenig Zeit und Budget in Essen investiert worden ist. Ich frage mich: „Warum so wenig investiert wird, in etwas das so wichtig ist?“ Und, warum ist es nicht die Regel dass Pädagogen und Kinder qualifiziert geschult werden, damit diese in Bezug auf Ihren Körper und dem was sie diesem zuführen, Verständnis entwickeln?! Qualifiziertes Personal dass darauf geschult ist, wie Lebensmittel auf unsere Gesundheit/Körper wirken.

Solch ein Personal sollte diese Aufgabe übernehmen, da Lehrer, Erzieher, bzw. Pädagogen oft keine ernährungswissenschaftliche Ausbildung haben und Ernährung ein sehr komplexes Thema ist. Ich persönlich finde es nicht fair, dass man Kinder etwas vorsetzt, das konsumiert wird und Teil Ihres Körpers wird. Das Kind keine Ahnung davon hat, was es isst, woher es kommt und was es mit dem Organismus macht. Kinder sind Persönlichkeiten und es zeugt von Respekt und Achtung, wenn ich mir die Zeit nehme, dem Kind verständlich zu machen, was die verschiedenen Nahrungen mit Ihrem System machen. Nimmt man sie von Anfang an mit auf die Reise der gesunden Ernährung, können sie später gute Entscheidungen treffen. Denn Kinder sind die Erwachsenen der Zukunft und wenn diese durch falsche Ernährung und Lebensführung ungesund gemacht werden, ist dieses fatal und nicht fair. Die Kinder dürfen dieses dann im Erwachsenenleben ausbaden!

Was kann ich als Erwachsener tun?

  • Seien Sie selbst ein gutes Vorbild
  • Nehmen Sie das Thema „Gesundheit & Ernährung“ selbst in die Hand und versorgen Sie Ihr Kind von Zuhause mit guten Nahrungsmitteln
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was schlechtes Essen bewirkt
  • Nehmen Sie Ihr Kind bewusst war und sehen Sie die Talente und Gaben, die es mitbringt. Ungelebte Talente verkümmern und dieses ist sehr traurig. Gaben, die nicht gelebt werden, sind verschwendete Ressourcen.
  • Stärken Sie diese Talente und fördern Sie es in diesen Bereichen
  • Ignorieren Sie die Schwächen und stärken den Selbstwert Ihrer Kinder.
  • Begegnen Sie sich selbst mit Liebe und Respekt und Ihrem Kind ebenso.
  • Stellen Sie Ihre Ernährung nach und nach um, damit Sie sich langsam umstellen können. Somit fällt es nicht allzu schwer und Sie halten durch.
  • Seien Sie gnädig mit sich und anderen, auch wenn Sie mal schwach werden.
  • Es gibt keine Fehler, sondern nur Lernerfahrungen, die uns im Leben weiterbringen
  • Verzichten Sie auf das Kita- und Schulessen, wenn es nicht gesundheitsfördernd ist.
  • Sprechen Sie mit Eltern und Pädagogen, damit diese Ihre Entscheidungen verstehen.
  • Die geistige und körperliche Gesundheit unserer Schützlinge hat Priorität

Für mich zu viel Doppelmoral

Es wird in der Pädagogik ständig über pädagogische Vorgehensweisen, wie Partizipation und Resilienz gesprochen. Jedoch empfinde ich dieses Gerede darüber als merkwürdig. Für mich hatte es sich immer so angefühlt, als würde man bei einem Hausbau mit dem Bau des Daches beginnen, ohne ein Fundament zu schaffen. Der Sinn der Sache blieb für mich aus. Die Rahmenbedingungen, um dieses umsetzen zu können sind weder von dem Standard der Ausbildung gegeben noch gibt es der Personalschlüssel her. Denn ich bin davon überzeugt, dass gute Pädagogen sich erst mit sich selbst auseinander setzen und verstehen sollten. Jeder Pädagoge hat eine individuelle Geschichte und ist von den unterschiedlichsten Dingen geprägt. Wenn ich als Pädagoge weiß, wo meine Stärken liegen, was mich triggert, was mich herausfordert, woran ich noch arbeiten muss, warum ich Pädagogin geworden bin und was meine Ziele für die Zukunft sind, kann ich Kinder authentisch und liebevoll begleiten. Persönlichkeitsentwicklung, Medienaufklärung, Haltung, Gesundheit und ein umfangreiches Verständnis für Lebensmittel sollten Unterrichtsinhalte sein. So kann ich ein authentisches Vorbild sein und eine positive Tankstelle für Kinder.

Ich habe es erlebt, dass Kindern Chicken-Nuggets vorgesetzt worden ist und die Kinder wussten noch nicht mal, dass es Hähnchen bzw. geschredderte Küken sind. Das ist für mich unverantwortlich. Kinder dürfen wissen, was sie in ihren Körper lassen und dürfen dann entscheiden, ob sie es weiter essen möchten oder nicht. Wir essen also Lebewesen und verheimlichen es dann vor den Kindern, weil es zu „brutal“ oder „unnatürlich“ ist? Ist das fair? Wenn es so normal ist, Tiere zu essen, dann sollte man es auch ganz natürlich kommunizieren können. Es ist für mich heuchlerisch, etwas zu tun aber nicht die ganze Wahrheit zu erzählen. Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen, wissen auch, dass sie Tiere essen. Jeder von uns trägt eine Verantwortung und wenn sich dessen jeder bewusst wird, hätten wir nicht das Problem mit der Massentierhaltung, zu viel Plastikmüll usw.

Kinder sollen in der Schule so „vieles“ lernen, aber vor allem sollen sie „funktionieren“ und sich an die Regeln halten. Wie sollen sie dieses schaffen, wenn Dinge gegessen werden, die nervös und unruhig machen? Wie ist dieses zu bewältigen, wenn sie am Abend zuvor Medien konsumiert haben, die sie verarbeiten müssen? Die Erwartungen stimmen mit den Investitionen, um dieses leisten zu können, nicht überein. Kinder sollen „funktionieren“, wissen aber nicht, was der eigene Körper braucht, um dieses zu können. Wir lesen uns Rezepte genau durch, wenn wir Kochen lernen wollen. Wir lesen Gebrauchsanweisungen von irgendwelchen Geräten durch, damit wir diese angemessen benutzen können. Wir lesen die Bauanleitung, wenn wir Möbelstück zusammenbauen wollen. Warum lernen dann nicht schon Kinder, wie ihr Körper funktioniert und was dieser braucht, um gesund zu funktionieren? Das wäre doch die wichtigste Gebrauchsanleitung!

Warum gibt es keinen Unterricht in dem die Entwicklung der Persönlichkeit gelernt wird, wie manipulativ Medien sein können oder wie man lernt sein eigenes Gehirn effizient zu nutzen? Es reicht nicht, über Partizipation zu sprechen und die Kinder dürfen dann entscheiden, ob es „Schokoladenkuchen“ oder „Obstsalat“ gibt. Dies ist einfach eine oberflächliche Partizipation. Partizipation und Resilienz beginnt viel früher, mit der eigenen Haltung und mit der richtigen Haltung. Begegne ich dem Kind respektvoll und achtsam auf Augenhöhe?!

Die Skandinavier investieren im Vergleich zu Deutschland so viel mehr in die Bildung der Kinder und der offizielle Erfolg spricht für sich. Es ist schwierig am System etwas zu ändern und deshalb liegt es in der Verantwortung des privaten Umfelds diesen positiven Bezug zur Bildung zu leben und immer weiter zu perfektionieren. Denn Bildung schafft Freiheit, Perspektiven und Toleranz. Jede Form von Radikalismus zeugt im Grunde von mangelnder geistiger Flexibilität. Bildung bedeutet verstehen und Erleben dürfen. Denn alles was nur gelernt wird, kann verlernt werden. Aber das was verstanden wird bleibt, denn es kann nicht „entstanden“ werden. Das beste Beispiel für diese Doppelmoral ist die momentane Corona-Situation. Die Medien verwirren und erschrecken zugleich. Und wenn ich dieses rational bedenke, muss ich feststellen, dass die Todesursache Nr. 1 in Deutschland Herz-Kreislauferkrankungen sind. Dafür sind Übergewicht, mangelnde Bewegung, Stress und psychische Belastung die Ursache. Warum gibt es hier nicht diese Form der medialen Aufklärung und Aufmerksamkeit, wenn man denn die Menschheit vor dem Tod erretten möchte?

Warum ist das so oder ist dies nur meine individuelle Wahrnehmung?

Diese Form der Doppelmoral schwingt noch in vielen anderen Aspekten mit, jedoch würde es den Rahmen des Blogs sprengen weiter darauf einzugehen. Eine Veränderung und Umdenken ist, meines Erachtens, dringend notwendig. Und dieses fängt immer bei uns selber an.

Quellen für die Statistiken

-Übergewicht: Deutsche Allianz nicht übertragbarer Krankheiten

www.dank-allianz.de

-Übergewicht: www.gesundheit.de

-Fettleber: www.ndr.de Fettleber erkennen und behandeln

-Neurodermitis: Neurodermitis Hautwissen online

 www.neurodermitis- hautwissen.de/verbreitung-bei-Kindern.html

-Kopfschmerzen und Migräne: www.kopfschmerz-schule.de, www.netdoktor.de

-Asthma: Lungenärzte im Netz: www.lungenärzte-im-netz.de www.lungeninformationsdienst.de

-Heuschnupfen: www.barmer.de

-Diabeties: www.diabetesde.org

-ADHS: Info-Portal ADHS Deutschland, www.adhs.info./für eltern/was-ist-das/häufigkeit/adhs-in-deutschland.html

-Essstörung: Weser-Kurier  www.weser-kurier.de

-Sozial-emotionaler Förderbedarf: www.süddeutsche.de,

www.vds-bildungsakedemie.de

-Zahnfehlstellungen:

www.t-online.de/gesundheit/Kindergesundheit/id.41455567/zahnspange-fast-die-hälfte-aller-kinder-muss-zum-kieferortopaeden.html

-Zahnschmelzstörungen: www.zm-online.de

-Frühkindliche Karies: www.bambini-kinderarznei.de

-Kurzsichtigkeit: www.sehen.de

-Skoliose: www.deutsches-skoliose-netzwerk.de

Dresi

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