Mein Kind klaut, was nun!?

Kinder die klauen sind keine Seltenheit. Im Laufe der Entwicklung durchlaufen Kinder verschiedene Phasen. Hier durchleben sie verschiedene Rollen und lernen dabei, was für sie funktioniert und sie lernen sich selbst kennen. Es gibt z.B. Phasen in denen Kinder das Helfen üben und leben. Hier helfen sie dann vermehrt und unterstützen beispielsweise jüngere Kinder. Wenn sie diese Phase ausgelebt haben und merken, dass dies gut beherrscht wird und für sie funktioniert, dann rückt das übertriebene Helfen in den Hintergrund und normalisiert sich. Kinder lügen auch in einer bestimmten Phase und merken dann, dass es sich nicht lohne, weil „Lügen kurze Beine haben“ und lassen es dann sein. Ebenso gibt es Phasen, in denen Kinder beginnen zu klauen, weil sie etwas unbedingt haben möchten und es nicht aushalten, es nicht zu besitzen. Hier machen sie dann die Erfahrung, dass sich das „schlechte Gewissen“ meldet oder ein Schamgefühl entsteht. Nun stehen sie zwischen den Stühlen. Einerseits wollen sie etwas, dass sie begehren, besitzen. Andererseits wissen sie, dass es falsch ist und ihr Gewissen plagt sie. Oft ist es dann so, dass Kinder diese Gefühle nicht in Kauf nehmen. Viele hören auf zu klauen, besonders wenn sie dabei noch erwischt worden sind. Keiner lebt gerne mit solchen negativen Gefühlen, da diese unbewusst krank machen. Es ist emotional belastend mit diesen Schuldgefühlen zu leben.

Wichtig ist hier zu wissen, dass Kinder nicht klauen um jemanden zu verletzen, sondern weil es ihnen schwer fällt zu widerstehen. Kinder handeln aus einem Mangel heraus und möchten diesen ausgleichen.

Das Verlangen „mehr“ zu wollen, ist so alt wie die Menschheit selbst und ist vollkommen natürlich. Wenn man sich ausmalt, was wäre, wenn wir nicht immer mehr wollen, dann wären wir höchstwahrscheinlich noch heute Neandertaler. Nicht mehr zu wollen, bedeutet Stillstand und damit kein Wachstum. Ich persönlich halte von der Floskel, „dass man doch zufrieden sein sollte mit dem was man hat“ nichts. Viel besser finde ich es wenn man Dankbar ist, für das womit man gesegnet ist, aber trotz dessen immer „MEHR“ möchte. Dieses beziehe ich nicht nur auf materielles, sondern auch auf die Persönlichkeitsentwicklung. Denn ein Mensch kann und sollte sich immer entwickeln und für sich der bestmögliche Mensch werden. An Mehr zu wollen ist nichts verwerfliches, es kommt einfach nur darauf an, dass man dies auf einem moralisch vertretbaren Weg macht.

Auch halte ich nichts davon, wenn man Kindern verbietet „ich will“ zu sagen. Zu wollen ist so eine starke Kraft, warum sollte man dieses herunterbrechen auf „ich möchte“? Es verweichlicht diese Kraft und ist, meines Erachtens, auch nicht respektvoll dem Kind gegenüber, dass eben nun einmal „ich will“ fühlt. Freuen Sie sich lieber darüber, dass Ihr Kind so eine Willenskraft hat, denn dieses ist ebenfalls ein starker Motor für eine gesunde Entwicklung. Die Willensstärke ist auch der Motor, der dafür sorgt nicht bedürfnisorientiert zu sein sondern vernünftig zu handeln.

Was mit Menschen passiert, die keine Willenskraft haben ist sehr unschön, denn diese sind oft Opfer von den Dingen die sich in Ihrem Leben ereignen usw.

Unterstützen Sie Ihr Kind dabei gesund heranwachsen zu dürfen und diese Dinge, die es sich so unbedingt wünscht, auf moralische Weise zu bekommen. Mir ist klar, dass man seinem Kind nicht jeden Wunsch erfüllen kann. Jedoch ist es für Kinder viel bedeutsamer, dass man sie in Ihrer Bedürftigkeit wahrnimmt, versteht und das es mit seinen Bedürfnissen richtig ist. Zudem sind Wünsche und Träume ein unglaublicher Motor, die uns dazu verleiten effizienter und fokussierter an unseren Zielen zu arbeiten. Verurteilen sie ihr Kind nicht dafür, sondern versuchen sie zu verstehen, warum es klaut und was es klaut. Kommunizieren Sie mit ihrem Kind und gehen Sie den Ereignissen auf den Grund. Verurteilen kann jeder und damit ist niemandem geholfen. Die Kunst und die wahre Stärke liegt darin sein Gegenüber wahrzunehmen und zu verstehen.

Ich würde behaupten, dass jeder einmal in seinem Leben etwas entwendet hat. Nur  weil nicht widerstanden werden konnte. Versetzen Sie sich einmal zurück in Ihre eigene Kindheit und erinnern Sie sich, wie schwer es ist einer Versuchung zu widerstehen. Gerade, wenn man unbedingt etwas haben wollte.

Um Ihr Kind und die Motivation dahinter zu verstehen, ist es wichtig die richtigen Fragen zu stellen und Ihrem Kind nicht die Antworten zu liefern. Ohne zu bewerten, denn so wird Ihr Kind nicht unbefangen antworten. Jeder von uns spürt, wenn man verurteilt und in eine Schublade verfrachtet wird. Die Bereitschaft für ein offenes Gespräch lohnt sich dann nicht, weil man ohnehin schon abgestempelt worden ist. Kinder spüren dies und sind dann blockiert. Kinder lernen sich selbst kennen, verstehen und können dann im Idealfall bewusstere Entscheidungen treffen. Kinder fühlen sich ernst genommen, wenn aufrichtige Fragen gestellt werden, die zu Ihrer Entwicklung beitragen.

  • Wozu benötigt es das Gestohlene?
  • Hat es evtl. nicht genug und benötigt das Gestohlene?
  • Wie können Sie gemeinsam den Mangel auf legalem Weg ausgleichen?
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wie es sich fühlen würde, wenn man selbst bestohlen würde?
  • Was braucht Ihr Kind, damit das Stehlen unnötig wird?
  • Finden Sie mit Ihrem Kind eine Lösung, um den Bestohlenen zu entschädigen.
  • Reden Sie mit Ihrem Kind darüber, wie ein solches Verhalten in Zukunft verhindert werden kann.
  • Stellen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Regeln auf.
  • Welche Unterstützung benötigt Ihr Kind?
  • Wie fühlt sich Ihr Kind, wenn es etwas unbedingt haben möchte und dieses aber nicht umsetzbar ist?
  • Welche Stärken braucht es, um besser reagieren zu können?
  • Wie können Sie Ihr Kind besser unterstützen?
  • Was braucht es von Ihnen?

Es gibt auch den psychologischen Aspekt, die Kinder dazu verleitet, mit dem Stehlen zu beginnen. Hier werden aber oft auch Dinge gestohlen, die nicht unbedingt einen großen Nutzen für das Kind haben.

Beispielsweise nach der Scheidung der Eltern oder anderen schmerzhaften Trennungen, wie dem Tod einer Bezugsperson. Auch kann der Umzug einer wichtigen Person schwere Folgen haben. Auch Kinder die nicht die Möglichkeit haben, sich in einem kindgerechten und gesunden Rahmen zu entfalten, weil Eltern „Überbehüten“, stehlen zum Ausgleich.

Kinder kompensieren durch das Stehlen die Ohnmacht die sie fühlen. Erwachsene tun und entscheiden einfach Dinge, die für Kinder von essentieller Bedeutung sind. Es wird quasi über Ihren Kopf hinweg entschieden. Dies ist traumatisierend für Kinder und zeigt sich oft in einer Veränderung der Persönlichkeit. Das Klauen gibt den Kindern das Gefühl etwas steuern zu können. Sie denken damit Einfluss auf einige Lebensbereiche zu haben. Etwas was sie selbst steuern und behalten können. Auch hier ist es wichtig zu verstehen, dass das Kind dies tut, weil es lebensnotwendig ist und nicht weil es verärgern möchte. Dies ist auch als Hilferuf zu verstehen. Kinder sollten hier liebevoll begleitet und unterstützt werden. Sie benötigen das Gefühl der Sicherheit, Unterstützung und bedingungsloser Liebe. Kinder, die in Ihrer Entfaltung durch überängstliche Eltern gehemmt werden, sollten nach und nach mehr Autonomie überlassen werden. Eltern empfehle ich in diesem Fall, sich mit Ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen und dieses bevorzugt mit Hilfe. Denn auch Eltern handeln aus der guten Absicht Ihr Kind zu beschützen. Jeder handelt und lebt aus guten Gründen, so wie dieser es eben tut, aus den eigenen Lebenserfahrungen heraus. Jeder Einzelne hat sein Päckchen zu tragen und jeder ist selbst in der Verantwortung dafür zu sorgen, dass es kein PAKET wird.

Dresi

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